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Geschichte des Verschönerungsvereins von der Gründung 1861 bis 1985

„Eine Stadt im Grünen“ – das konnte man bereits um das Jahr 1900 in den Werbedrucken und Postkarten über die Stadt Weilheim an der Ammer im bayerischen Voralpenland lesen.

Verfolgt man die Geschichte der einstigen Künstler-, Handwerker- und Bauernstadt, so war das Grün im Innern in den vergangenen Jahrhunderten nicht so selbstverständlich, wie es die Bürger heute antreffen. Die zusammengebauten, eng aneinander geschmiegten Häuser innerhalb der Stadtmauer gaben nur wenig Raum für grüne Hinterhöfe, die meist für nützliche Zwecke wie Obst-, Gemüse- und Blumenanbau verwendet wurden. Nur in wenigen Abschnitten war der Stadtbach von Bäumen gesäumt. Der Wasserlauf hatte andere wichtige Funktionen – er diente dem Antrieb der Mühlen, als Waschplatz für die Frauen und zur Wasserentnahme für die Reinigung von Haus, Stall und Hof.

Grün in der Stadt war also bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts nicht so gefragt und auch nicht so notwendig, gab es doch rund umher noch eine gesunde Landschaft ohne viele Straßen und Bauwerke. Büsche und Baumgruppen formten die Landschaft; geschlossene Wälder und Monokulturen waren nicht zu finden.

Weilheim um 1800

Die Zeitläufe, die Aufhebung der Klöster und das Vordringen der Technik änderten die Einstellung der Menschen. Aus Handwerkerstuben entwickelten sich Gewerbebetriebe. Die religiösen Verbindungen, die Bruderschaften und Zünfte entwickelten sich zu Vereinen. Wie in anderen Städten, so gründete man auch in Weilheim die Feuerwehr, den Liederkranz, den Turnverein und auch den Verschönerungsverein.

In den Annalen ist nachzulesen, dass die Gründung im Jahr 1861 auf den Wunsch zurückgeht, die Plätze, Straßen, Gassen und Gebäude schöner zu gestalten und den Ruf, Weilheim sei „eine Stadt, die nichts Erwähnenswertes aufzuweisen hat“ zu ändern.

Welchen Stellenwert man der Sache beimaß, ist der Zusammensetzung der ersten Vorstandschaft zu entnehmen. Erster Vorsitzender war Forstmeister von Lipp; weitere Mitglieder waren der Bezirksamtmann, der Bezirksarzt, der Stadtpfarrer, der Bürgermeister und weitere einflussreiche Bürger.

Die erste größere und für Weilheim heute noch bedeutsame Maßnahme ging der Verschönerungsverein im Jahr 1870 an. Allgemein bestand in der Bürgerschaft der Wunsch, einen Stadtpark anzulegen. Der Verein nahm die Sache in die Hand und schlug vor, das Sumpfgebiet im Westen der Stadt als Au-Anlage zu gestalten. In vielen Jahren reger Tätigkeit wurden geordnete Gräben und Weiher angelegt, unzählige Fuhren Humus kostenlos von Weilheimer Fuhrwerksbesitzern eingebracht und Hunderte von Bäumen und Sträuchern gepflanzt. Nach und nach konnten auch die noch heute bestehenden Spazierwege angelegt werden. Besonderer Anziehungspunkt war ein Säulentempel, der heute durch den Pavillon ersetzt ist.

Säulentempel 1913

In den weiteren Jahren bis ca. 1985 zeichnete der Verein für folgende weitere, auch heute noch für die Stadt und ihr Umfeld bedeutsame Maßnahmen verantwortlich:

Bau eines Weges zur Hardtkapelle (1872-1875).

Pflanzen von Bäumen wie Schwarzkiefern, Ahorn und Linden südlich des Friedhofs – ein Teil dieser Bäume steht     heute noch (1876).

Pflanzen von Alleebäumen entlang den Ausfahrtsstraßen und Wegen (1880-1900):

– Allee zum Gögerl
– Allee entlang der Münchener Straße
– Allee nach Deutenhausen/Marnbachl
– Allee entlang der Römerstraße
– Allee an der Karl-Böhaimb-Straße (104 rot blühende Kastanien)
– Allee an der Waisenhausstraße (44 Ahornbäume)
– Allee an der Hardtstraße
– Allee nach Wessobrunn

Anlegen vieler Wanderwege mit Pflanzen von Bäumen und Aufstellung von Sitzbänken rund um Weilheim (ab 1890).

Pflanzen von Bäumen im ehem. Stadtgraben rund um die Altstadt (um 1900) – die Bäume in der Anlage südlich des Rathauses stehen zum Teil noch.

Bäume südlich des Rathauses

Bepflanzen des Stadtbaches in der Oberen Vorstadt mit 61 Kugelakazien (um 1900); diese Bäume machen bis heute den Charme der Oberen Stadt aus.

Obere Stadt 1898

Obere Stadt 2005

Neugestaltung des Springbrunnens am Kirchplatz (um 1900).

Errichtung einer Rodelbahn am Gögerl (1908).

1. Blumenschmuck-Wettbewerb für die Innenstadt (1908).

Aufstellung einer repräsentativen Orientierungstafel am Bahnhof und Ausgabe von Fremdenverkehrsprospekten (1925); damit sollten die Großstädter aus München in die Provinz gebracht werden.

Neugestaltung der Grünfläche am Kirchplatz (1957/1958) und Errichtung des Brunnens der „Raufenden Buben“ (1959); sie symbolisieren die ewige Rivalität zwischen der Unterstadtler und der Oberstadtler Jugend.

„Raufende Buben“

100-jähriges Bestehen des Vereins (1961).

Errichtung eines Springbrunnens in der Grünanlage zwischen Röntgen- und Alpenstraße gegenüber des Gymnasiums (1966).

Brunnen an der Röntgenstraße

Nicht unerwähnt soll auch bleiben, dass der Verein in dieser Zeit sehr viele weitere kleinere Maßnahmen durchführte und auch am gesellschaftlichen Leben der Stadt rege mitwirkte. Zudem schaltete er sich auch immer wieder in die Stadtpolitik mit ein, wenn es um Fragen des Stadtbildes und der Gestaltung ging. So hatten unsere Vorgänger maßgeblichen Einfluss darauf, dass die in der Nachkriegszeit diskutierten Anträge, das Alte Rathaus am Marienplatz abzubrechen und den Stadtbach in der Oberen Stadt zur Anlegung von Parkplätzen zu schließen, nicht verwirklicht wurden.

Es soll auch nicht verschwiegen werden, dass der Verein ab und an seine Tätigkeiten reduzierte oder – wie in der NS-Zeit – reduzieren musste. Festzuhalten bleibt, dass sich der VV über die Jahre und Jahrzehnte hinweg vital gehalten hat und aus dem Leben unserer Stadt nicht mehr wegzudenken ist.